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Mittwoch, 24. August 2016

Salz in euch



Artikel aus dem Gemeindebrief zum Monatsvers August 2016:

"Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander!" Mk 9,50 (E)

Liebe Leserin, lieber Leser,
kleine, unscheinbare Körner mit großer Wirkung: Erst Salz gibt dem Frühstücksei die richtige Würze. Aber auch wenn uns Salz vertraut ist: der Monatsspruch für August erschließt sich nicht auf den ersten Blick. „Habt Salz in euch“, was soll das bedeuten? Der Salzgehalt im menschlichen Körper beträgt ca. 0,9 %, Salz ist lebensnotwendig - ist das gemeint? Nein.

Christen sind das Salz der Erde (Mat 5,13). Unser Reden soll „allezeit freundlich und mit Salz gewürzt“ sein (Kol 4,6). Das heißt: Wir sollen kraft- und wirkungsvoll leben. Wir sollen hilfreich sein, die Welt „würzen“, ihr den richtigen Geschmack geben, sie vor dem Verderben bewahren (in früheren Zeiten, vor der Erfindung des Kühlschranks, diente Salz – wertvolles „weißes Gold“ – auch zum Konservieren von Lebensmitteln).

Damit das gelingt, müssen wir aufpassen, nicht fernab unserer Bestimmung zu leben. Wie schaffen wir das als Einzelne und als Gemeinde? Es beginnt damit, sagt der Monatsvers, dass wir in uns selbst „gesalzen“ sind. Vermutlich spielt diese Formulierung auf die Opfersalzung im Alten Testament an (3 Mo 2,12; Hes 43,24). Das war damals eine symbolische Handlung, die die erhoffte kultische Reinigung, (letztlich: die Klärung der Beziehung zu Gott) anschaulich verdeutlichen sollte. Im neutestamentlichen Sprachgebrauch ist das Leben eines Gläubigen ein „lebendiges Schlachtopfer“ für Gott (Rö 12,1), wir bringen sozusagen uns selbst Gott dar.

Damit wir in unserem Leben würzig und wirkungsvoll sind, muss erst einmal Gottes Kraft in uns wirken. Das Salz in uns, das kann nur Gott schenken. Der Heilige Geist, der in uns lebt, möchte uns von innen heraus prägen. Lassen wir ihn an uns arbeiten? Nur dann kann er auch mit uns arbeiten.

Nötig ist dafür innere Bewahrung und Reinigung sowie Hingabe unsererseits (oder, um im Bild zu bleiben: Opferbereitschaft). Ob Gottes Salz uns prägt, zeigt sich z.B. daran, ob wir Frieden untereinander halten (vgl. 1 Thess 5,12-15).

Was prägt mich? Was zeigt sich nach außen? Was hindert Gottes Salz daran, in mir seine positive Wirkung zu entfalten?

Sonntag, 15. November 2015

Ich bin (k)ein Heiliger

Auf Bitten der Zeitschrift "Perspektive" (Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg) habe ich einen Artikel geschrieben über den inneren Kampf, der laut Jak 4,1 in Christen tobt. Ja: Im Glauben wird der alte Mensch durch ein komplett neues Ich abgelöst - der alte Mensch, der für uns gestorben ist, ist aber im Alltag leider nicht selten ziemlich quicklebendig. Wie kann das sein?
Ich habe gemerkt: Es ist beim Thema alter Adam vs. neuer Mensch wie bei Personen, die aufhören wollen zu rauchen. Sobald man auf die Glimmstängel verzichtet, ist man im Prinzip Nichtraucher - aber es dauert sehr lange, bis die alten Gewohnheiten und Verhaltensmuster durch neue ersetzt sind.
(Der Artikel ist in der Ausgabe 06|2015 eschienen und in ca. einem halben Jahr auch kostenlos hier online zu lesen).

Mittwoch, 9. September 2015

tot oder lebendig

Paulus hätte wohl kaum eine Lebensversicherung abschließen können - er war zwar kein Basejumper, betrieb aber die Hochrisikosportart "Mission". Was bedeutete es für ihn, dass der Tod eine sehr realistische Option war? Hier meine letzte Predigt zu 2. Kor 5,1-10 lesen oder hören.

Dienstag, 11. August 2015

Wie ein Kind


Mein Grußwort aus dem aktuellen Gemeindebrief zum Monatsvers September: 
„Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen“. Mt 18,3
Liebe Leserin, lieber Leser, der Monatsspruch für September macht stutzig: Wir sollen als erwachsene Menschen wieder wie Kinder werden? Ja! Jesus bringt es kurz und prägnant auf den Punkt: Nur Menschen, die umkehren und wie Kinder werden, erhalten Zugang zum Reich Gottes. Er beschreibt damit geradezu provokativ die Grundhaltung, die nötig ist, um jetzt und für immer in Gottes Gegenwart, unter seiner Führung leben zu können. „Wie die Kinder“ werden – Pastor Holger Mix hat das bei der Kindsegnung im Mai deutlich herausgearbeitet – das steht für typisch kindliche Grundhaltungen, also für das, was charakteristisch für Kinder ist:
  • „Kannst du mir einen Doppelknoten machen?“ Kleine Kinder sind ständig hilfsbedürftig – für sie kein Problem. Es ist für sie das natürlichste der Welt, Große um Hilfe zu bitten.
  • Ein Kind schenkt den „Großen“ bedingungsloses Vertrauen, lässt sich an einer gefährlichen Straßenkreuzung etwa gerne an die Hand nehmen.
  • „Das ist jetzt der Burggraben zur Ritterburg!“ Ein Kind ist begeisterungsfähig. Beim Spielen sind Kinder ganz bei der Sache, fokussiert und konzentriert – gedanklich in einer ganz anderen Welt.
Wir Erwachsenen sind in Bezug auf Gott und den Glauben oft ganz anders.
  • Wir wollen gerne alleine klarkommen, verweisen gerne auf das, was wir schon geschafft haben. Jesus ruft uns auf, umzudenken: Von Gott abhängig zu sein, ist nicht entwürdigend. Im Gegenteil heißt es: Gott würdigt uns seiner Aufmerksamkeit. Schwierig wird es immer, wenn wir meinen, es alleine schaffen zu müssen.
  • Wir haben es oft verlernt, anderen (und auch Gott) voll und ganz, bedingungslos zu vertrauen. Jesus sagt: Ich meine es gut mit dir. Tausch mal dein Selbstvertrauen, dein Misstrauen gegen bedingungsloses Gottvertrauen!
  • Wir sehen den Glauben leicht als ein uns auferlegtes, unangenehmes Pflichtprogramm. Jesus sagt uns: Ihr sollt euer Leben aus der Nähe zu Gott heraus geradezu spielerisch gestalten. Gottes Hinweise lassen wie Spielregeln den faszinierenden Rahmen des Spiels erst entstehen. Uns bleibt viel Gestaltungsspielraum, den wir kreativ füllen können.
Wer Gott erleben will, muss auf gewisse Weise ganz von vorne anfangen (vgl. 1. Pet 2,2; Joh 3,3). Das ist aber dann kein Rückschritt, sondern ein riesiger Schritt in die richtige Richtung. Gottes Logik ist halt manchmal anders als die menschliche. Lasse ich mich darauf ein?

Mittwoch, 29. Juli 2015

Gottes liebstes Satzzeichen

Letzten Sonntag habe ich über Gottes Semikolon in unserem Leben gepredigt (auf Basis von 2. Kor 4,8f und 16-18). Kerngedanke: Wir müssen im Lebensalltag viel aushalten. Aber gleichzeitig werden wir gehalten von der Kraft Gottes. Wir denken manchmal: „Punkt. Aus. Ende. Das war’s. Es geht nicht mehr weiter.“ Und dann kommt ein göttliches Semikolon. Gott schreibt unseren Satz, unser Leben weiter.
Wer mochte, konnte sich Gottes Zusage persönlich zusprechen lassen und ein Semikolon als Erinnerung auf das Handgelenk stempeln lassen. (Den Stempel habe ich Samstag extra noch aus einem Radiergummi geschnitzt...).
Hier kann man mehr hören oder lesen.


(Ich habe mich hier inspirieren lassen vom "semicolon project": Das Satzzeichen Semikolon wird eingesetzt, wenn ein Autor seinen Satz eigentlich hätte beenden können, aber sich entscheidet, es nicht zu tun. Das Projekt sieht es daher als Zeichen der Hoffnung, gerade für suizidgefährdete Personen.)

Montag, 20. Juli 2015

Sind wir nicht alle ein bisschen Tonkrug?


Paulus gab sein Bestes – das reichte den Christen in Korinth aber nicht. Sie fanden Paulus ziemlich peinlich, wenig beeindruckend. Die Christen dort waren ziemlich unzufrieden mit ihm. Sie stellten sogar seine apostolische Autorität in Frage.Sie vermissten nämlich bei ihm ein paar herausragende Eigenschaften (vgl. etwa 2. Kor 10,10) – sein äußerer Eindruck blieb sehr hinter ihren Erwartungen zurück.

Paulus' souverände Reaktion: Ihr habt ja recht. Ich bin ja eine ziemlich schwache Figur. Weiß ich doch selber! Ich kenne meine Nachteile nur zu gut, sagt Paulus. Ich bin kein großer Redner, stimmt. Aber es geht doch gar nicht um mich!

Paulus macht uns klar: Wir müssen keinen beeindrucken. Wir müssen keinem etwas beweisen. Wir sind nur zerbrechliche Tongefäße. Aber wir tragen einen Schatz in uns: Gottes Herrlichkeit. Die soll aufstrahlen. Die soll unsere Umgebung hell machen.

Hier meine Predigt zu 2. Kor 4,5-7 lesen oder hören! (Eine solche abgebildete Tonscherbe konnte man als Erinnerung nach dem gestrigen Gottesdienst mitnehmen - Conrad hatte Samstag mit dem Hammer ganze Arbeit geleistet.)