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Montag, 14. März 2016

Zehntes Gebot

Hier eine neue Predigt von mir zum zehnten Gebot: "Du sollst nicht begehren". 
Meine wichtigste Erkenntnis in der Vorbereitung:

Wenn wir nicht klammern, nicht begehren und beneiden sollen, sollen wir das Gegenteil davon tun. Das Gegenteil von begehren und beneiden heißt teilen und verschenken. Wenn begehren und beneiden unglücklich und unzufrieden macht, macht umgekehrt teilen und verschenken glücklich und zufrieden. Das biblische Grundprinzip, was dahinter steht, lautet: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ (1. Mo 12,2)

Dienstag, 11. August 2015

Wie ein Kind


Mein Grußwort aus dem aktuellen Gemeindebrief zum Monatsvers September: 
„Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen“. Mt 18,3
Liebe Leserin, lieber Leser, der Monatsspruch für September macht stutzig: Wir sollen als erwachsene Menschen wieder wie Kinder werden? Ja! Jesus bringt es kurz und prägnant auf den Punkt: Nur Menschen, die umkehren und wie Kinder werden, erhalten Zugang zum Reich Gottes. Er beschreibt damit geradezu provokativ die Grundhaltung, die nötig ist, um jetzt und für immer in Gottes Gegenwart, unter seiner Führung leben zu können. „Wie die Kinder“ werden – Pastor Holger Mix hat das bei der Kindsegnung im Mai deutlich herausgearbeitet – das steht für typisch kindliche Grundhaltungen, also für das, was charakteristisch für Kinder ist:
  • „Kannst du mir einen Doppelknoten machen?“ Kleine Kinder sind ständig hilfsbedürftig – für sie kein Problem. Es ist für sie das natürlichste der Welt, Große um Hilfe zu bitten.
  • Ein Kind schenkt den „Großen“ bedingungsloses Vertrauen, lässt sich an einer gefährlichen Straßenkreuzung etwa gerne an die Hand nehmen.
  • „Das ist jetzt der Burggraben zur Ritterburg!“ Ein Kind ist begeisterungsfähig. Beim Spielen sind Kinder ganz bei der Sache, fokussiert und konzentriert – gedanklich in einer ganz anderen Welt.
Wir Erwachsenen sind in Bezug auf Gott und den Glauben oft ganz anders.
  • Wir wollen gerne alleine klarkommen, verweisen gerne auf das, was wir schon geschafft haben. Jesus ruft uns auf, umzudenken: Von Gott abhängig zu sein, ist nicht entwürdigend. Im Gegenteil heißt es: Gott würdigt uns seiner Aufmerksamkeit. Schwierig wird es immer, wenn wir meinen, es alleine schaffen zu müssen.
  • Wir haben es oft verlernt, anderen (und auch Gott) voll und ganz, bedingungslos zu vertrauen. Jesus sagt: Ich meine es gut mit dir. Tausch mal dein Selbstvertrauen, dein Misstrauen gegen bedingungsloses Gottvertrauen!
  • Wir sehen den Glauben leicht als ein uns auferlegtes, unangenehmes Pflichtprogramm. Jesus sagt uns: Ihr sollt euer Leben aus der Nähe zu Gott heraus geradezu spielerisch gestalten. Gottes Hinweise lassen wie Spielregeln den faszinierenden Rahmen des Spiels erst entstehen. Uns bleibt viel Gestaltungsspielraum, den wir kreativ füllen können.
Wer Gott erleben will, muss auf gewisse Weise ganz von vorne anfangen (vgl. 1. Pet 2,2; Joh 3,3). Das ist aber dann kein Rückschritt, sondern ein riesiger Schritt in die richtige Richtung. Gottes Logik ist halt manchmal anders als die menschliche. Lasse ich mich darauf ein?

Dienstag, 24. März 2015

Gebetsmischung


Am 15. März war ich noch mal in der EFG Melle zu Gast, habe über Psalm 13 gepredigt. Manche glauben, er beschreibe einen Entwicklungsprozess von der Klage über die Bitte zum Lob. Hm - Ist Lob  denn die „höchste“ und „heiligste Stufe“ des Betens?!
Ich sehe da eher eine Parallelität, eine Gleichzeitigkeit gegensätzlicher Empfindungen. David kombiniert Klage, Bitte und Lob – die drei Bestandteile stehen nebeneinander. Alle drei Perspektiven bezieht David auf seine konkrete Situation. Er nimmt seine Lage und seine Zukunftsperspektive daher ausgewogen und nicht einseitig wahr. Er pflegt sozusagen eine ausgewogene Gebetsmischung.

Montag, 9. März 2015

You'll never walk alone

In unserer aktuelle Predigtserie geht es um Jesu letzte Worte am Kreuz. Gestern habe ich über das dritte Wort gepredigt: „Frau, siehe, dein Sohn!“ und: „Siehe, deine Mutter!“ (Joh 19,25-27) sagt Jesus zu seiner Mutter Maria und seinem Lieblingsjänger Johannes. Jesus löst sich von seiner Herkunftsfamilie und definiert seine Verwandtschaft neu.

Bei der Vorbereitung der Predigt habe ich gemerkt, dass die Fußballhymne „You never walk alone“ (Du wirst niemals alleine gehen), die in Liverpool traditionell vor Spielbeginn vom Publikum angestimmt wird (und erst recht nach Niederlagen, um die Mannschaft wieder aufzubauen) einen Text wie einen Psalm hat:
When you walk through the storm
Hold your head up high and dont be afraid of the dark
At the end of the storm theres a golden sky
And the sweet silver song of a lark

Walk on through the wind
Walk on through the rain
For your dreams be tossed and blown
Walk on, Walk on
With hope in your heart
And you'll never walk alone
You'll never walk alone

Walk on, walk on
With hope in your heart
And you'll never walk alone
You'll never walk alone

Wir könnten diese Hymne ohne große Probleme auf Gott und Gemeinde beziehen und in unser Gemeindeliederbuch aufnehmen…

Die Hymne bringt jedenfalls genau auf den Punkt, was Jesus mit seinem dritten Wort vom Kreuz sagen will: „Du wirst niemals alleine gehen!“ Vom Kreuz her sind Maria und Johannes und später alle Christen verbunden mit Christus und untereinander. Wer sich an Gott hält, ist nie allein. Natürlich ist Gott immer bei uns – aber richtig konkret wird das oft dadurch, dass du einen Bruder, eine Schwester neben dir hast (1. Joh 4,12).
Hier mehr Gedanke dazu zum nachlesen und zum anhören.

Samstag, 18. Oktober 2014

Stippvisite in Melle

Letzten Sonntag war ich in der EFG Melle, derzeit pastorenlos, zum Predigen eingeladen. Hat mir Spaß gemacht - die Menschen dort haben mich herzlich aufgenommen und haben auch während der Predigt keinen allzu gelangweilten Eindruck gemacht. :-)
Die Räumlichkeiten sind recht frisch renoviert und wirken transparent und einladend. Thematisch ging es um Phil 4,4-7: Paulus erweckt zunächst den Eindruck, er propagiere ein plattes "Don't worry, be happy" - aber sein Motto lautet aber eher (so übersetzt die new living translation): „Don't worry about anything; instead, pray about everything!”  Also: „Nicht sorgen, sondern beten!“

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Demas

Sonntag habe ich über Demas gepredigt. Die Grußlisten der Paulusbriefe - Bibeltexte für Feinschmecker! - erlauben die Rekonstruktion mancher Biografie. Demas taucht dreimal in den Grußlisten auf, er gehörte zu Paulus' Team (Philemon 24; Kolosser 4,14), doch dann "gewann er die Welt lieb" (2. Tim 4,10), kündigte und zog weg.
Auch heute erleben wir ähnliche Ausstiege. Und Gemeinden sehen oft schnell die Verantwortung allein bei den Aussteigern. Warum rückt bei manchen Menschen der Glaube schleichend oder mit einem Mal völlig nach hinten? Man kann vermutlich Eigen- und Gemeindeverantwortung hier nie ganz auseinanderdividieren - sie spielen meist beide zu unterschiedlichen Anteilen eine Rolle.
Hier kann man die Predigt nachhören - die das Thema natürlich nicht erschöpfend behandeln kann, aber vielleicht einen Einstieg in weitere Überlegungen bieten kann.

Mittwoch, 17. September 2014

Katholiken mit Humor

Wer ein bisschen Humor mitbringt, könnte hier mal klicken. Dort kann man auch rausfinden, was "Evandelism" ist, was Noah hätte besser machen können und warum Jesu Jünger Rock'n'Roller waren.

Dienstag, 19. August 2014

Gotteswort über Bande gespielt



(Mein Vorwort aus dem neuen Gemeindebrief zum Monatsvers für September)

Sei getrost und unverzagt, fürchte dich nicht und lass dich nicht erschrecken! 1.Chr 22,13

Liebe Leserin, lieber Leser,
mein erster Gedanke beim Lesen des Monatsspruchs für September 2014: „Toll, da haben die Verantwortlichen aber eine schöne göttliche Zusage ausgewählt!“ Als ich den Vers im Zusammenhang las, um herauszufinden, wem dieses Mut machende Wort Gottes ursprünglich galt, stutzte ich erst einmal – der Satz stammt nämlich aus Davids Mund. Mit dem oben zitierten Zuspruch übergibt er seinem Salomo offiziell den Staffelstab in Bezug auf den Tempelbau.
Der Monatsspruch ist also kein direktes Gotteswort. Aber: David konnte Salomo mit Fug und Recht angesichts der großen Herausforderungen, vor denen dieser stand, Gottes Unterstützung und Begleitung zusagen. Nathan hatte dem Projekt (1. Chr. 17) Gottes Hilfe versprochen. David kleidet die Ankündigungen des Propheten zusammenfassend in persönliche, aufmunternde Worte. Er thematisiert aber auch Salomos Eigenverantwortung: David mahnt seinen Sohn, die göttlichen Hinweise und Anweisungen ernst zu nehmen (1. Chr. 22,13a).
Gott hat auch uns zugesagt, uns eng zu begleiten (Mat 28,20). Es ist hilfreich, wenn wir uns gegenseitig an Gottes Versprechen erinnern und seine Zusagen zusprechen – besonders, wenn wir vor schwierigen Situationen stehen und besondere Herausforderungen zu meistern haben. Gott unterstützt auch uns dabei, unseren Auftrag zu leben. Es ist aber gleichzeitig wichtig, Gottes Unterstützungszusage nicht als Freibrief für ein unabhängiges, Gottes Regeln ignorierendes Leben zu verstehen. Unsere Eigenverantwortung ist es, wie David es Salomo gegenüber betont, göttliche Hinweise aufzunehmen und umzusetzen. Gott ernst zu nehmen, nennt die Bibel übrigens „Gottesfurcht“. Gottesfurcht, sagt der Philosoph Robert Spaemann in seinen „Meditationen“ über die Psalmen, ist „nicht Angst. Gottesfurcht ist im Gegen­teil Befreiung von Angst“. Spaemanns Begründung: „Die Gott fürchten, fliehen nicht vor Gott“, im Gegenteil: „Wer Gott fürchtet, flüchtet zu Gott“. Gottes Nähe gibt uns Sicherheit und Geborgenheit. Gottes Nähe verleiht uns Mut auch in heiklen und belastenden Situationen.