Dienstag, 29. Mai 2012

"angedacht" - Vorwort zum neuen Gemeindebrief

Manche Bands, manche Sänger oder Orchester touren seit Jahrzehnten mit denselben Liedern durch die Konzertsäle. Vielleicht variieren die Künstler ein wenig das Arrangement – aber das Publikum ist glücklich, wenn es die geliebten Klassiker nach wenigen Takten als vertraut erkennt.
Bei Predigern ist das anders. Wer Sonntagmorgens in den Gottesdienst kommt, erwartet vom Prediger mit Sicherheit keinen aufgewärmten Neuaufguss einer Predigt, die er schon einmal gehört hat. Eine Band kann sich mit einem beschränkten Grundrepertoire von vielleicht 30-40 Liedern gut behaupten. Ein Prediger könnte niemals eine begrenzte Menge einmal erarbeiteter Predigten eins zu eins in einer Wiederholungsschleife bringen.
Warum? Für jeden Sonntag gilt es, neu herauszufinden, was Gott der Gemeinde sagen möchte. Paulus fordert Timotheus auf: „Verkünde die Botschaft Gottes! Tritt für sie ein, ob sie erwünscht ist oder nicht. Decke Schuld auf, weise zurecht, ermahne und ermutige…“  (2. Tim 4,2 NGÜ). Das heißt: Gott möchte durch die Predigt konkret in unsere aktuelle Situation sprechen. Mal sind mahnende Worte gefragt, mal ermutigende. Mal soll uns Gottes aufbauender Zuspruch deutlich werden, mal Gottes durchaus auch fordernder Anspruch an uns. Predigten werden da lebensrelevant, wo sie eine Verbindung zwischen unserem Leben, unserem Fragen und Gottes Reden schaffen. Oder da, wo Gottes Anfragen an uns deutlich werden.
Aber Prediger schöpfen auch aus einer nie versiegenden Quelle. So vielfältig wie die Situation derer, die der Predigt lauschen, ist die thematische und stilistische Bandbreite der Bibel. Gott hat zu jedem unserer Lebensbereiche etwas zu sagen. Die Texte der Bibel sind unerschöpflich – und das in Form von Geschichten, Liedern, Sprüchen, Briefen...
Selbst wenn nach einiger Zeit der gleiche Bibeltext noch einmal behandelt werden sollte, gewinnt man auch bei altbekannten Texten immer wieder neue Einblicke. Je nach Situation, je nach Prediger lassen sich ganz unterschiedliche Aspekte darin entdecken und hervorheben.
Wir können dankbar sein, dass sich jede Woche Prediger Zeit nehmen, neu herauszufinden, was Gott uns ganz aktuell mitteilen möchte. Jede Predigt macht mir in einem kleinen Bereich deutlich, was Gott wichtig ist, wie er ist. Und wenn die Predigt einmal bei mir nicht genau ins Schwarze trifft, dann sicher bei einem, der es gerade nötiger hatte als ich… Lasst uns genau hinhören, den Inhalt anhand der Bibel überprüfen (Apg 17,11) – und dann umsetzen, was wir gelernt haben (Jak 1,22f).

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