Samstag, 15. Dezember 2007

Gedanken zu Predigten

Anknüpfend an den Artikel in der ZEIT (siehe letzten Post) einige wenige Gedanken meinerseits zum Thema "Predigtqualität". Sie basieren auf einem kuzen Papier, das ich vor einigen Monaten für unser Gottesdienst-Kernteam geschrieben hatte:
1. Die Predigt bildet in der Regel den Mittelpunkt des Gottesdienstes. Damit ist der Predigt auch in der Vorbereitung entsprechend hohe Bedeutung beizumessen. Predigten können nicht „schnell eben nebenbei“ erarbeitet werden.
2. Predigt ist keine absichtslose Information oder ein Zusprechen von positiven Gedanken Gottes an eine passiv bleibende Zuhörerschaft. Ziel der Predigten ist es vielmehr, die lebensverändernde Kraft Gottes erfahrbar werden zu lassen. Die Predigt spricht Gottes Wort in die konkrete Situation der Gottesdienstbesucher hinein.
3. Ob fortlaufende Bibelauslegung oder Themenpredigt: Gottes Wort muss als Grundlage im Mittelpunkt stehen, und zwar nicht nur implizit (bei der Erarbeitung der Inhalte am Schreibtisch), sondern auch explizit bei der Präsentation/Begründung auf der Kanzel. Eine von der Bibel losgelöste Predigt bzw. die Darlegung eigener Gedanken oder Erlebnisse mit nachgeordneten/nur garnierenden Querbezügen zur Bibel kann nicht die Wirksamkeit beanspruchen, die Gott seinem Wort verspricht (2. Tim 3,15f). Daher die schlichte Aufforderung von Paulus: „Predige das Wort“!
4. Die Inhalte der Predigten müssen sich an den Bedürfnissen, Nöten und Fragen der Menschen orientieren – genauso wie an den Versprechungen, Ansprüchen und Forderungen, die Gott setzt. Predigten werden da lebensrelevant, wo eine Verbindung zwischen unseren Fragen und Gottes Reden geschaffen wird. Hier und da müssen Predigten auch erst eine Sensibilität für Gottes Reden und Handeln schaffen.
5. Die thematische Ausgewogenheit über die Zeit gesehen muss beachtet werden. Das Gesamtzeugnis der Schrift sollte nicht zensiert werden, wir sollten uns vor keinem Thema „drücken“ (vgl. Apg. 20,20.27).
6. Wenn wir uns auf Gottes Wort stützen, können und sollen wir mit biblischer=göttlicher Autorität konkrete und motivierende Handlungsanweisungen, nicht nur sanfte oder verklausulierte Gedankenanstöße geben. Die Bibel drückt sich nicht um klare Worte – wir sollten sie nicht entschärfen oder nur „Konsensfähiges“ erwähnen. Wir müssen in Predigten sagen, worauf es ankommt, und nicht nur das sagen, was ankommt.
7. Ausgewogene Auslegung und praktische Anwendung der Aussagen der Bibel stärken die Anziehungskraft der Gottesdienste – Menschen suchen klare Orientierung. Abmilderung der Botschaft macht sie nicht attraktiver, sondern leerer und die Gottesdienste entbehrlicher.

Donnerstag, 13. Dezember 2007

Seelenwellness-Predigten

„Schluss mit dem Geschwätz! - Früher war die Predigt eine Kunst. Heute liefern die meisten Pfarrer nur Seelenwellness“ – unter diesem Titel schreibt Evelyn Finger in der ZEIT. Sie kritisiert: „Heute wird aus der Bibel möglichst wenig zitiert, sondern von der Kanzel herab Sozialtherapie betrieben. […] Für Katholiken mögen solche Predigten keine Tragödie sein, weil ihnen das Messopfer zentrales Element des Gottesdienstes bleibt. Doch für die Protestanten mit ihrer euphorischen Auffassung vom Predigen als erlösendes Geschehen ist jede verkorkste Kanzelrede deprimierend. Ein Ritual, das seinen wahren Zweck verfehlt: Vergegenwärtigung des Evangeliums. Übersetzung des Heilsgeschehens in die Sprache unserer Zeit. Problematisierung des Glaubens […].“
Die Kritik ist wohl nicht unbegründet. Allerdings finde ich den Fokus schief: die „Kunstform“ der Predigt interessiert mich nicht so sehr wie ihre Autorität und Wirksamkeit. In den nächsten Tagen will ich ein paar Punkte dazu aus meiner Sicht posten.

Freitag, 7. Dezember 2007

Bernd: "Au, ja, bezaubernd, Jabez".


Da Andreas sein verliehenes Buch langsam mal zurück braucht, habe ich heute Abend den kleinen, schmalen Band „Das Gebet des Jabez - Durchbruch zu einem gesegneten Leben“ von Bruce Wilkinson endlich einmal durchgelesen.
Wilkinsons Weltbesteller dreht sich um ein Gebet, das uns das Alte Testament überliefert - „ziemlich versteckt […] an einer unscheinbaren Stelle“ (S. 7). Jabez versteckt sich „im unpopulärsten Abschnitt eines der am wenigsten gelesenen Bücher der Heiligen Schrift“ (S. 12). Dort steht (1. Chr. 4, 9f): „Jabez war angesehener als seine Brüder. Und seine Mutter nannte ihn Jabez; denn sie sprach: Ich habe ihn mit Kummer geboren. Und Jabez rief den Gott Israels an und sprach: Ach …
(1.) dass du mich segnetest und
(2.) mein Gebiet mehrtest und
(3.) deine Hand mit mir wäre und
(4.) schafftest, dass mich kein Übel bekümmere!
Und Gott ließ kommen, worum er bat.“

Wilkinson sieht in dem vierfachen Wunsch den Schlüssel, dass „Jabez angesehener als seine Brüder“ war.

Inspirierend finde ich das Bild von Jabez, das Wilkinson vor den Augen des Lesers malt. Das macht Mut, mit Gott Sachen zu wagen, die eigentlich eine „Schuhnummer zu groß“ für uns sind. Zur zweiten Bitte schreibt Wilkinson etwa: Wir stellen „etwa folgende Gleichung auf: Meine Fähigkeiten + Erfahrung + Ausbildung + meine Persönlichkeit und äußere Erscheinung + meine Vergangenheit + die Erwartung anderer = das mir zustehende Gebiet“ (mit „Gebiet“ meint er Möglichkeiten, Gott zu dienen). "Nach Gottes mathematischen Gesetzen würde die Rechnung eher so aussehen: Meine Bereitschaft und meine Schwachheit + Gottes Wille und seine übernatürliche Macht = mein wachsendes Gebiet“ (S. 40f). Solche Sätze geben Stoff zum Nachdenken: „Als Gottes erwählte, gesegnete Söhne und Töchter ist es unser Auftrag, uns an Dinge heranzuwagen, die so groß sind, dass unser Scheitern schon vorprogrammiert ist, es sei denn, Gott schreitet ein“ (S. 46). „Abhängigkeit [ist] bei Christen lediglich ein anderes Wort für Vollmacht“ (S. 60).

Verstörend sind dagegen Einseitigkeiten und Aussagen, die den Geist von Jabez Gebet in den Hintergrund rücken und das Gebet selber als Mittel zum Zweck nahezu beliebig einsetzbar erscheinen lassen. „Beten Sie das Gebet des Jabez jeden Morgen“ … „Lesen Sie dieses Buch im nächsten Monat Woche für Woche jeweils einmal ganz durch“… So kann das Gebet eines anderen zum Mantra werden. Das Gebet des Jabez ist eben nicht der „Schlüssel zu einem Leben von außerordentlicher Gunst von Seiten Gottes“ (S. 7). Irritierend ist auch die Vielzahl an Devotionalien, die um das Thema des Buches angeboten werden (Andachten zum Gebet des Jabez, Das Gebete des Jabez für Frauen, … für teens, Lieder zum Gebet des Jabez …).

Wie auch immer: das Gebet des Jabez werde ich jetzt bestimmt nicht regelmäßig beten. Aber ich will schon ein wenig über seine Haltung und Erfahrung nachdenken. Und ich werde meine eigenen Worte finden, meine eigenen Erfahrungen machen.

P.S.: Komisch: woraus Wilkinson einen Mega-Hype-Millionenseller macht, das ist bei Spurgeon eine Predigt unter vielen. Hier kann man nachlesen, dass Spurgeon 1871 bereits die relevanten Impulse herausarbeitet. Man sieht: es geht auch bodenständiger und unaufgeregter. ;-)

Montag, 3. Dezember 2007

bibelfest?


welt.de bietet einen herausfordernden Bibeltest.
Ich habe im ersten Anlauf nur 40 von 50 Fragen korrekt beantwortet - wer schafft mehr? Aber bitte ohne googlen, nachschlagen und Pastor anrufen! Ob ihr wisst, wie heiß die Hölle ist und was der kürzeste Vers der Bibel ist?

Sonntag, 2. Dezember 2007

Krankensalbung

Seit einigen Jahren nutze ich den Abreißkalender "Wort für heute" - er bietet recht gute Erläuterungen zu täglichen Bibellese nach dem ÖAB-Leseplan sowie knappe Einführungen in die jeweiligen biblischen Bücher.

Auf dem Zettel vom 20.11. 2007 hatte Jörg Swoboda unnachahmlich Hintergründe der Krankensalbung durch die Ältesten (Jakobus 5,13-20) zusammengefasst. Beim Lesen war ich platt, wie man auf so wenig Raum so viel sagen kann. Ich habe das Thema ganz neu verstanden. Diesen Zettel wollte ich natürlich aufheben. Nun ist der irgendwie verschütt gegangen - da habe ich bei Jörg Swoboda direkt nachgefragt, ob er den Text noch elektronisch "greifbar" habe. Er hatte - seine freundliche Antwort kam postwendend.
Hier seine Kerngedanken in Auszügen, falls es jemanden interessiert:
[...] Es geht in unserem Fall um mehr als nur um Schnupfen und bei dem erbetenen Besuch mehr als um Höflichkeit am Krankenbett. Vielmehr sind dringliche Fürbitte um Heilung, Krankensalbung und ausdrücklich Großreinemachen der Seele angesagt. Denn wenn wir körperlich leiden, haben wir ein Seelenfenster offen. Wir beten echter und fragen uns auch ehrlicher als sonst nach möglichen verborgenen Ursachen unserer Not. Diese Grenzerfahrung bringt uns dazu, uns selbst zum Thema zu machen. Jakobus ermutigt uns, dies nicht nur vor Gott, sondern auch vor einem Zeugen zu tun. Auch wenn die offengelegten Sünden nicht Ursache der Krankheit sein sollten, sind sie in jedem Fall ein Störfaktor in der Beziehung zu Gott.
Unter dem Zuspruch der Vergebung atmen wir seelisch auf. Oft schon ging diese Entlastung bis ins Körperliche und brachte eine Wende. Wenn wir neu mit Gott anfangen, erhalten wir wieder neue Kraft – Kraft, die uns gesund macht oder Kraft, die uns stark macht, ein Leiden zu tragen, ohne daran Schiffbruch zu erleiden. [...]