Donnerstag, 26. Juli 2007

"Die Katze des Rabbiners"

Nein, den neuen Harry Potter habe ich noch nicht in Händen gehabt. Aber:
Die wunderbare Comicserie „Die Katze des Rabbiners“ des französischen Zeichner Johann Sfar ist um einen fünften Band reicher.
Ich muss gestehen, der erste Band ist mit der beste Comic, der mir je untergekommen ist. Die Katze des Rabbiners aus Algier, die einen Papagei verschluckt, dadurch reden lernt und dann ihre Bar-Mizwa feiern will, die theologischen Streitgespräche zwischen dem Rabbiner und der Katze... ein Genuss! Unglaubliche Dialoge!
Im jetzt erschienenen fünften Band erklärt der Rabbiner sich bereit, mit einem russischen Künstler den afrikanischen Kontinent auf der Suche nach einer legendären altisraelitischen Stadt namens „Jerusalem“ zu durchreisen, die – so der sowjetische Geheimdienst – im Herzen Schwarzafrikas die Jahrtausende überdauert haben soll.
Die Bücher gehören ganz klar zu der Kategorie „verleih-ich-nicht-empfehle-ich-aber“. Und zwar wärmstens. (Und nicht nur ich.)

Lottes Weisheit (III)

Hallo Steffi, diesen Eintrag musst du nicht unbedingt lesen ;-)


Charlotte: "Du bist ein toller Papa!"
Papa: "Warum?"
Charlotte: "Weil du viele Sachen kannst."
Papa: "Was zum Beispiel?"
Charlotte: "Süßes kaufen."

Mittwoch, 18. Juli 2007

NT-Griechisch (II)


Zum Abschluss meines Altgriechisch-Kurses habe ich, wie geschildert, Mat. 3,1-3 „eigenhändig“ neu übersetzt. In diesem Zuge habe ich die bisherigen Fassungen der Elberfelder Bibel, immerhin schon 150 Jahre alt, nachvollzogen. Sie hat sich im Lauf ihrer Bearbeitungen deutlich verändert. In der ersten Auflage (1855) heißt es zunächst:
1 In jenen Tagen aber kommt Johannes der Täufer, predigend in der Wüste von Judäa, 2 und sagend: Thuet Buße! denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen! 3 Denn Dieser ist Der, von welchem Jesaias, der Prophet, geredet hat, sagend: „Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, machet richtig seine Steige!“
Es fällt auf: Die Partizipien (predigend, sagend) werden auch im Deutschen als solche abgebildet, was sich gerade in der Kombination „…geredet hat, sagend…“ negativ bemerkbar macht. Die Erzählzeit orientiert sich strikt am griechischen Original, was zu sprachlichen Härten führt.

Die zweite Auflage 1867 löst die Partizipien bereits vollständig auf:
1 In jenen Tagen aber kommt Johannes der Täufer und predigt in der Wüste von Judäa, 2 und sagt: Thuet Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen! 3 Denn Dieser ist Der, von welchem geredet hat Jesaias, der Prophet, indem er sagt: „Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, machet gerade Seine Steige!“
In Vers 3 heißt es nun, die „Steige“ des Herrn sollen „gerade“ (statt bisher „richtig“) gemacht werden.

In der dritten Auflage des NT 1871 werden die Partizipien (predigend, sagend) nur noch teilweise aufgelöst, in einem Fall geht diese Fassung sogar hinter die 2. Auflage zurück.
1 In jenen Tagen aber kommt Johannes der Täufer und predigt in der Wüste von Judäa, 2 und spricht: Thut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen! 3 Denn dieser ist der, von welchem geredet ist durch Jesaias, den Propheten, sagend: „Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, machet gerade seine Steige!“
Der Textstand 1927 zeigt folgende Besonderheiten: Die Partizipien werden wieder komplett aufgelöst. Die Rechtschreibung wird angepasst („Thut Buße“ wird zu „Tut Buße“). Der Satzbau orientiert sich in Vers 3 endlich stärker am deutschen Sprachgebrauch und weniger am Grundtext („Denn dieser ist der, von welchem durch den Propheten Jesaias geredet ist, welcher spricht“ statt „… durch Jesaias, den Propheten, sagend“)

Die Revision 1975/92 veränderte die drei zitierten Verse nur marginal: Aus „Steige“ werden „Pfade“. Der Prophet „Jesaias“ wird zu „Jesaia“. Der Imperativ „Tut Buße“ wird zum separaten Satz – was er übrigens bereits in der ersten Auflage 1855 war. Über diese Anpassung kann man geteilter Meinung sein – immerhin ist das nachfolgende „Denn“ als Beginn eines eigenständigen Satzes eher unschön.

Die Elberfelder Bibel im aktuellen Textstand (Elberfelder Bibel 2006) hat die Perikope trotz der erneuten Durchsicht überhaupt nicht verändert. Angesichts der Tatsache, dass die Überarbeitung dem Sprachwandel Rechnung tragen sollte, ist das eher enttäuschend: Es ist davon auszugehen, dass die Formulierung „Tut Buße“ (Vers 2) vielen Lesern nicht auf Anhieb verständlich sein wird. Das Wort „Pfad“ (Vers 3) gehört wohl auch kaum noch zum aktiven Wortschatz der meisten Deutschen. Der Präsens als Erzählzeit erscheint weiter ungewöhnlich, insbesondere, da er in längeren Abschnitte mit dem Imperfekt wechselt. Der Sprachgebrauch kennt heute sehr wohl ein „zubereiten“ und ein „vorbereiten“, aber ein allein stehendes „bereiten“ (Vers 3) klingt ebenfalls nicht besonders modern.
Fazit: Da ist noch mehr drin – in der nächsten Revision.

Montag, 16. Juli 2007

Alter Ritus

Der Schriftsteller Martin Mosebach hat der FAS letzte Woche ein lesenswertes Interview gegeben. Er wirbt in seinem bereits 2002 erschienenem Buch "Häresie der Formlosigkeit" für den "alten Ritus", also die strenge Art, die katholische Messe in lateinischer Sprache zu feiern. Papst Paul VI. hatte 1975 diesen Ritus verboten, Papst Benedikt XVI. hat ihn soeben wieder als Option zugelassen.
In diesem FAS-Interview sagt Mosebach einen bemerkenswerten Satz:
Der Katholik ist immer nur bis zu einem bestimmten Punkt Zeitgenosse, denn er ist im Ritus mit der Fähigkeit ausgestattet, aus seiner Zeit herauszutreten, in eine andere Zeit einzutreten und einen Punkt zu gewinnen, von dem aus die eigene Zeit betrachtet werden kann.
Kurzzeitig denkt man: Katholik müsste man sein. Dann denkt man: Hängt die Fähigkeit, die geltenden Regeln und Werte zu beurteilen, also "aus seiner Zeit herauszutreten", tatsächlich am Ritus, an der Gestaltungsform des Gottesdienstes? Der alte Ritus wirkt anachronistisch, biblische Maßstäbe teilweise auch (1. Korinther 3,19). Von Gottes Wort weiß ich recht sicher, dass es "unvergänglich" ist (1. Petrus 1,23–25). Beim Ritus bin ich mir nicht ganz so sicher ;-)

Sonntag, 15. Juli 2007

Anstoß geben und nehmen


„Anstoß geben“ – Wer sich an das Sommermärchen 2006 erinnern kann, die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, dem ist sofort klar, was gemeint ist: der Anstoß, auf englisch „kick off“, ist beim Fußball das Anspielen das Balls aus dem Mittelkreis. Dort wird der Anstoß zu Beginn jeder Halbzeit und nach einem Tor ausgeführt.
Nun – bei Christen hat die Formulierung „Anstoß geben“ leider nichts mit dem Fußball zu tun. Die Formulierung stammt aus alten Bibelübersetzungen und ist eins der Wörter, die im „frommen Grundwortschatz“ eine vollkommen andere Bedeutung als im üblichen Sprachgebrauch haben.
Mit „Anstoß geben“ ist jeweils gemeint: ein anderer macht etwas, was ich „anstößig finde“. Ich finde es unpassend. Genauer: Es passt mir nicht. Es ist mir ein „Ärgernis“. Ich möchte, dass der andere das, was ich „anstößig“ finde, lässt.
Kann man aus dem Neuen Testament eine Begründung herleiten, dass ein anderer etwas unterlassen muss, wenn es mir ein „Anstoß“, ein „Ärgernis“ ist? Muss ich alles unterlassen, was anderen nicht passt? Vermutlich ja, oder? Wir sollen uns ja schließlich lieben und demütig sein und so ...

Über dieses Thema habe ich heute in Gütersloh gepredigt. Anhand von 1. Kor. 8 habe ich versucht zu zeigen: Anstoß und Ärgernis meint nicht das, worüber sich jemand ärgert. Es meint das, was jemanden ins Stolpern bringt. Wer sich dafür näher interessiert, kann sich hier den Gottesdienstzettel herunterladen.

Freitag, 13. Juli 2007

NT-Griechisch (I)


In den letzten Monaten habe ich einen Online-Kurs „Neutestamentliches Griechisch“ der Universität Hamburg besucht. Es war nicht einfach, abends nach der Arbeit und ein paar Familienstunden noch die Energie fürs Lernen aufzubringen, aber jetzt ist es geschafft.

Als „Abschlussarbeit“ habe ich Matthäus 3, 1-3 aus dem Nestle-Aland übersetzt. Nach einer Wort-für-Wort-Übersetzung und –bestimmung habe ich zunächst eine noch recht wörtliche Übersetzung angefertigt; sprachlich geglättet sah mein endgültiger Übersetzungsvorschlag dann folgendermaßen aus:
1Zu dieser Zeit trat Johannes der Täufer erstmals öffentlich in Erscheinung. Er predigte in der Wüste von Judäa 2 und forderte seine Zuhörer auf: „Ändert euer Leben! Denn das Reich der Himmel ist näher gerückt.“ 3 Er war der, über den bereits der Prophet Jesaja gesagt hatte: „Die Stimme eines Rufenden in der Wüste sagt: ‚Bereitet den Weg des Herrn vor, räumt ihm Hindernisse aus dem Weg!“
Insgesamt gesehen war der Kurs anstrengend, aber ein voller Erfolg. Nicht zuletzt durch den humorvollen und überaus kompetenten Dozenten Jörg P. Belden. Jetzt kann ich natürlich noch nicht alle grammatikalischen Feinheiten, geschweige denn alle Vokabeln, aber ich weiß, was ich wo finden kann. Das hat wirklich Spaß gemacht!
In den nächsten Tagen poste ich noch ein paar Auszüge aus meiner Übersetzungsübung, ich habe nämlich auch noch ein paar deutschsprachige Übersetzungen verglichen.

Dienstag, 10. Juli 2007

WE in Innsbruck







Am Wochenende war unser erstes gemeinsames „kinderfreies“ Wochenende seit Katharinas Geburt (vielen Dank, Esther, Noemi, Tabea & Co.! – Charlotte und Katharina denken zu Recht, sie hätten Urlaub gehabt). Nach über acht Stunden Zugfahrt kamen wir Freitag Abend in Innsbruck an, wo wir uns bis Sonntag als Gäste von Jochen und Konstanze pudelwohl gefühlt haben. Jochen hat uns die schönsten Fleckchen der Stadt gezeigt und eine mehrstündige Wanderung im Stubai organisiert (ich habe heute noch Muskelkater in den Waden, obwohl es nur bergab ging ;-). Die dortige sympathische FeG haben wir durch mehrere Begegnungen und Gespräche ein wenig kennengelernt. Innsbruck ist wirklich ein schönes Fleckchen Erde mit ziemlich netten Menschen …