Dienstag, 19. Juni 2007

Theologießen


Montag war ich in der "Universitätsstadt Gießen" (so schallt es einem auf dem Bahnhof entgegen). Die Freie Theologische Akademie durchläuft ja derzeit ein Anerkennungsverfahren beim Wissenschaftsrat, um staatlich anerkannte Hochschule zu werden. Und da ich seit zwei Jahren im Wissenschaftlichen Beirat der FTA bin, hatte ich das Vergnügen, den „Vor-Ort-Termin“ hautnah mit zu erleben – die vom Wissenschaftsrat benannte Expertengruppe nimmt sich ja nacheinander Leitung, Dozenten, Studierende … und eben auch die Gremienmitglieder, also auch uns, zur Brust.

Die FTA hat, wie ich finde, einen überzeugenden Antrag vorgelegt. Ob er auch den Wissenschaftsrat zufrieden stellt, wissen wir wahrscheinlich erst 2008. Dass es nicht einfach wird, zeigen die aktuellen negativen Bescheide bezüglich des Theologischen Seminars Elstal (BEFG) und des Theologischen Seminars Tabor. Entscheidender Knackpunkt wird bei der FTA vermutlich ohnehin das Verhältnis von Bekenntnisbindung und Wissenschaftlichkeit sein. Wir sind und bleiben gespannt.

Freitag, 8. Juni 2007

Hirte-Herde und Pfarrerzentriertheit


Klaus Eickhoff hat 2000 auf dem 6. Lutherischen Kirchentag in Bochum ein beeindruckendes Referat gehalten unter dem Titel „Vom Geheimnis des Leitens – Revolutionäres aus dem NT“. Ich stieß vor einiger Zeit bei der Vorbereitung einer Predigt zum Thema "Laien und Profis in der Gemeinde" darauf. Ich habe Eickhoffs Kerngedanken, die mich in ihrer Klarheit beeindrucken, einmal hier zum Nachlesen zusammengefasst. Ein paar Appetithäppchen:

„Die Leitungsgabe dient den anderen Gaben, damit sie sich entfalten, blühen und Frucht bringen.“
„Mit dem Bild des Hirten ist eine Herzenshaltung, ein Charakter, ein Wesen, eine Gabe und keine Struktur beschrieben. […] Als Struktur verstanden, ist das Hirte-Schafe-Modell tödlich für das Werden von Gemeinde.“
„Der übliche Normalzustand ist ein überlasteter Pfarrer und eine zuschauende Gemeinde. Die Todsünde der Volkskirche heißt Pfarrerzentriertheit. Die Folge ist ein hyperaktiver Pfarrer und eine hyperpassive Gemeinde.“
„Die Gemeinde hat ein völlig falsches Bild vom Pfarrer, das es aber für gottgegeben hält. Das Bild setzt den Pfarrer unter Druck. Er soll alles machen. Die Gemeinde wird aufgrund ihres Bildes vom Pfarrer zum Peiniger des Pfarrers. Das Bild vom Hirten, strukturell verstanden, setzt den Pfarrer unter Druck und entmündigt die Gemeinde.“

Ich denke wirklich, wer alles von einer Person erwartet („Pfarrerzentriertheit“), sorgt dafür, dass genau die Person, von der dann alles abhängt, von der alles erwartet wird, ausbrennt. Die Bibel kennt es nicht, dass eine Gemeinde allein von einem Pastor versorgt wird. Das biblische Bild sieht so aus: Gott versorgt die komplette Gemeinde – mit Gaben. Werden diese eingesetzt, hat die Gemeinde alles, was sie braucht – in gegenseitiger Ergänzung, unter Koordination der Gemeindeleitung.

Sonntag, 3. Juni 2007

Gnade vor Recht


War heute wieder Gast in der EFG Rheda-Wiedenbrück. Da das Thema, das ich mir ursprünglich überlegt hatte, dort bereits vor kurzem behandelt worden war, musste ich wenige Tage vorher kurzfristig umdisponieren. Ich habe dann über Johannes 8,2-11 (die Geschichte von der Ehebrecherin) gepredigt. Die Pharisäer und Schriftgelehrten hatten die Steine, mit der sie die Frau bestrafen wollen, schon in der Hand. Doch einer nach dem anderen lässt ihn fallen, als Jesus sie auf die Widersprüchlichkeit ihres Lebens aufmerksam macht.
In einem interaktiven Element konnten die Gottesdienstbesucher einen Stein (ich hatte vorher jedem Besucher einen in die Hand gedrückt) nach vorne bringen. So bestand die Möglichkeit, symbolisch Schuld oder Verletzungen (wie in der Geschichte von Joh. 8) „im Tempel“ zu lassen. Gleichgültig, ob es ein Stein war, den man aufgehoben oder gesammelt hatte, um andere damit zu treffen, oder ein Stein, von dem man in der Vergangenheit selber getroffen wurde.
Hier mein Gottesdienstzettel.

Samstag, 2. Juni 2007

Gemeindeleitung & Älteste: spannende Studie

Mit René Schäfer, Missionsleiter der Deutschen Inland-Mission, habe ich für bruederbewegung.de ein ausführliches Interview über den Aufbau von Führungsstrukturen in (Brüder-)Gemeinden geführt. Schäfer erläutert, seine empirische Forschung habe "eindrücklich nachgewiesen, dass die Praxis [der Gemeindeleitung] in den Brüdergemeinden an einigen Stellen weder biblisch noch erfolgreich" sei. "Meiner Ansicht nach ist sie gerade deshalb nicht erfolgreich, weil sie nicht biblisch ist!"
Hier das komplette Interview, das auf die Leitlinien des Neuen Testamentes und Umsetzungsfragen näher eingeht.